Punch Needle lernen - Q&A Fragen und Antworten für tolle Ergebnisse

Aktualisiert: 26. Sept.

Kunsthandwerk Punch Needle

Vom richtigen Umgang mit der Punch Needle


Die Punch Needle hat auch in Deutschland Einzug gehalten... aber leider zeigen die meisten DIY Kits wenig von der Technik im Umgang mit der Nadel. So wird aus einem tollen und sehr individuellem Handwerk sehr schnell ein Flop. Die Punch Needle Technik hat es verdient, mehr als nur "ein Trend" zu sein. Wer sich mit der Technik, den Möglichkeiten und dem geeigneten Werkzeug beschäftigt, für den kann der Umgang mit der Nadel ein wirklicher Begleiter des kreativen Tun´s werden. In meinem Artikel möchte ich Euch Antworten auf die häufigsten Fragen, Anwenderfehler und auch ein paar Tricks zur Umsetzung geben.

Ich greife dabei auf die "Meisterin" der Punch Needle zurück; Amy Oxford. Sie hat nicht nur die für mich beste Punch Needle entworfen, sondern lehrt Technik und Umgang mit der Nadel wie keine andere. Sie ist meine Meisterin und mein Vorbild

Viel Spaß beim Lesen und umsetzen.

 


 

wie funktioniert Punch Needle stanzen?


Die Punch Needle bildet durch Einstechen der Nadel mit dem Garn einen fortführenden Schleifenstich. Jedes Mal, wenn die Punch Needle mit dem Garn nach unten in den Stoff gestochen wird, drückt es ein langes Ende des Garns nach unten. Wenn die Nadel wieder nach oben geführt wird, faltet sie automatisch das Ende in eine Schleife. Die Schleifen werden nicht verknotet. Einzig die im Abstand gleichmäßige Schleifenbildung und damit die Dichtheit der Schleifen, hält sie davon ab sich aufzulösen. Grundsätzlich arbeitest du immer an der Rückseite deines Projekts. D.h. du stichst auf der Rückseite ein, um an der Vorderseite deine Schlaufen zu sehen. Bei filigraneren Projekten kannst du auch die Seite der Einstiche als Vorderseite nutzen, oder du erarbeitest einen Mix aus langen Schlaufen und Einstichschlaufen. Das funktioniert z.B. bei einem Mix aus Schrift und Grafikformen ganz gut.


Welches Material ist das Richtige für die Punch Needle


Form und Rahmen

Zum Punch Needle Stanzen benötigst du einen Rahmen, der dir die Möglichkeit gibt, deinen Stoff zu spannen. Für kleinere Arbeiten eignen sich runde Stickrahmen, die es in unterschiedlichen Größen zu kaufen gibt. Die runden Rahmen eigenen sich hervorragend um sie direkt nach dem Bearbeiten mit der Punch Needle als fertiges Bild an der Verschraubung aufzuhängen. Für größere Arbeiten, wie z.B. Kissenbezüge, Teppichläufer oder Wandbilder nimmst du einen Spannrahmen. Den kann man aus vier Holzleisten selbst herstellen oder du kauft dir über den Handel Keilrahmen in unterschiedlichen Größen. Über den Rahmen legst du das umsäumte Gewebe zum punchen, spannst es sehr straff und tackerst es am hinteren Teil des Rahmens fest. Beim Spannen im Stickrahmen solltest du den Schraubverschluss bestenfalls mit einer Zange richtig festdrehen und den Stoff während des Arbeitens durch leichtes Ziehen am Rand immer mal wieder etwas Nachspannen.

Die dritte Variante ist etwas professioneller, kann aber auch gut selbst gebaut werden. Der Rug Hooking Rahmen ist an allen vier Seiten mit einem Gummiband beklebt, auf das viele kleine Nägeln nach außenstehend angebracht sind. Das Ganze nennt sich Gripper Stripes. Der gespannte Stoff wird über die Nagelstreifen gelegt und fixiert.


Der Stoff

Du benötigst einen locker gewebten Stoff, durch den die Nadel geführt wird. Am besten eignet sich Mönchsstoff (Monk´s Cloth), den es in 2 verschiedenen Fadenstärken gibt. Der 5 fädige ist für dickere Wolle ab Nadelstärke 5 bestens geeignet. Der 3 fädige ist für alle Fadenstärken einsetzbar. Monk´s Cloth ähnelt sehr einem Zählstoff aus dem Stickbereich. Allerdings ist der Stick- Zählstoff eher ungeeignet, weil er appretiert ist und damit nicht so weich fällt. Aber auch Leinenstoffe eignen sich sehr gut zum Arbeiten mit der Punch Needle. Am besten ist, du probierst einfach verschiedene Stoffe aus. Ich habe selbst mit fest gewebtem Baumwollstoff schöne Ergebnisse erzielt.

TIPP - Schneide deinen Stoff zum Arbeiten großzügig und versäubere Ihn mit der Nähmaschine, bevor du loslegst. Der Mönchsstoff löst sich an den Rändern sehr schnell auf.


Die Punch Needle

Es gibt unterschiedliche Punch Needle auf dem Markt. Es gibt Nadeln mit sehr kleinen Ösen, die eher zum Arbeiten mit sehr dünnem Stickgarn gedacht sind. Einige Nadeln lassen sich auch in der Schlaufengröße verstellen und man kann somit unterschiedliche "Tiefen" in seine Arbeit bringen. Ich persönlich habe die besten Erfahrungen mit der Oxford Punch Needle gemacht. Die Nadel gibt es in unterschiedlichen Nadelgrößen und Längen. Je größer die Öse, desto dicker kann das Garn sein. Je kürzer die Nadel, desto kleiner werden die Schlaufen. Die meisten Verwendungsmöglichkeiten bietet die Nadel N° 10 Regular, für feineres Garn N° 10 fine. Du erhältst damit eine Schlaufengröße von 0,6 cm.


Das Garn

Grundsätzlich hängt die Stärke und Art des Garns von der Nadelgröße ab. Mit einer 10er Nadel lassen sich grundsätzlich alle Garne verarbeiten. Ist das Garn etwas dünner, so kannst du es einfach doppelt oder dreifach verarbeiten. Probiere ruhig unterschiedliche Reste deiner Garne wie Mohair, Alpaka, Merino, Baumwolle oder sogar Stoffstreifen aus. So erkennst du am besten, welche Garne gut und welche weniger gut geeignet sind. Für Teppiche oder stark beanspruchte Projekte empfiehlt sich allerdings eher robustes Garn aus Reiner Schurwolle (mehrfach verzwirnt).


Die Stich- oder Schlaggröße

Gerade zu Beginn ist es hilfreich, wenn du während der Arbeit immer mal wieder das Hand Maß auf deine Stiche legst, um ein Gefühl für ein gleichmäßiges "Schlagen" zu bekommen. Als Faustformel gilt

4 Stiche pro 2,5 cm zum ausfüllen

6 Stiche pro 2,5 cm zum Umranden oder für einzelne Linien

Das heißt für einzelne Linien und für Umrandungen ist die Stichlänge kürzer, bedeutet, du schlägst mehr Stiche hintereinander als beim Ausfüllen. Dadurch schaffst du Stabilität in deinen Schlaufen. Diese wird gerade beim Umranden oder bei feinen Linien benötigt.


Q&A - Fehlervermeidung im Umgang mit der Punch Needle


welche Seite der Punch Needle Arbeit ist die richtige oder "schöne" Seite?

es gibt kein richtig oder falsch. Normalerweise schlägt man von der hinteren Seite. Das heißt die Schlaufenseite ist die Seite, auf die man bei einem fertigen Projekt schaut. Die Schlag- oder Arbeitsseite hat aber auch Ihren Reiz. Die Stiche sind flacher und haben mehr Struktur, verlangen aber auch ein sehr sauberes und gleichmäßiges Arbeiten. Ich verwende die Schlag- oder Arbeitsseite für Schriften, klare Strukturen z.B. bei Blättern oder auch um unterschiedliche Tiefen darzustellen.

 
 

ich habe meine Schlaufe herausgezogen und habe nun ein Loch im Gewebe

Das Loch im Gewebe kannst du mit der Spitze der Nadel oder einfach mit deinem Fingernagel durch vorsichtiges "drüber reiben" wieder verschließen. Dann ziehst du vorsichtig den Arbeitsfaden deiner Nadel wieder stramm und stichst erneut in dein Gewebe. Das gilt auch, wenn du einen bereits geschlagenen Teil wieder auftrennen möchtest. Einfach am Faden ziehen, Löcher vorsichtig glattstreichen und neu schlagen.


Meine Punch Needle Schlaufen ziehen immer wieder heraus! Was mache ich falsch?

1.Achte darauf, dass deine Nadel beim Schlagen komplett bis zum Anschlag in deinen Stoff geführt wird. Wenn die Nadel nicht vollständig eingeführt wird, bildet sich keine komplette Schlaufe und das Garn ziehst sich heraus.

2. Achte darauf, die Nadel nicht zu schnell oder zu kraftvoll herauszuziehen. Führst du die Nadel zu hoch oder zu weit entfernt von deinem Stoff, ziehst du automatisch deine bereits geschlagene Schlaufe heraus. Gleite beim Herausziehen mit der Nadelspitze leicht über den Stoff und führe den nächsten Schlag aus.

3. Denke daran, dass dein Garn jederzeit frei durch deine Nadel laufen muss.

Prüfe: hast du einen Knoten im Garn? Steht das Garn durch Einklemmen unter dem Rahmen, deinem Arm oder deiner Hand unter Spannung? Ist dein Garn verheddert?

 
 

Meine Schlaufen sind alle ungleichmäßige in der Höhe, was kann ich tun?

Wenn du die oben genannten drei Punkte beachtet hast, deine Schleifen aber immer noch ungleichmäßig sind, kann es an der Spannung deines Stoffs liegen. Prüfe die Spannung deines Stoffs und korrigiere durch Ziehen und Nachjustieren die Spannung des Stoffs im Rahmen.


Kann ich beim Schlagen mit der Punch Needle über andere Stiche springen?

Grundsätzlich ja…aber ich würde es nicht empfehlen, da es den Halt der Schlaufen beeinträchtigt, was z.B. bei einem Bild weniger relevant ist als bei einem Teppich oder Kissen.


die rechte Seite meines Punch Needle Werks ist ein komplettes Durcheinander! Es gibt lange Fäden, die herausragen und ich kann nicht einmal mein Design sehen. Was ist passiert?

Da du auf der Rückseite deines Projekts arbeitest hast du nicht so viel Kontrolle darüber, was auf der Schlaufenseite passiert. Es ist normal, dass Schlaufen durch andere Schlaufen geschlagen sind, sie vielleicht "teilen", sie ungleichmäßig aussehen lassen oder sie verschieben. Dazu kommen die Anfangs- und Endfäden, die ein weiteres Durcheinander verursachen.

 
 

Nach dem Schlagen wird bereinigt und sortiert. SNIPPPING and POKING

Schaue dir zuerst deine Schlaufen an. Sind diese ungleich Hoch, beginnst du mit dem "Snipping". Dabei werden die längeren Enden einer Schlaufe einfach vorsichtig auf Höhe der restlichen Schlaufen abgeschnitten. Der abgeschnittene Schlaufenteil legt sich nach dem Schnitt einfach in das Komplettwerk auf gleicher Höhe ein. Vermeide aber, mehrere Schlaufen mit einem Schnitt anzupassen. Das führt meistens zu noch mehr Unebenheiten. Bei kleinen Unterschieden kannst du auch versuchen vorsichtig mit einer dickeren Vernäh Nadel oder einer Häkelnadel die kleine Schlaufe leicht anzuziehen. Du erkennst, dass sich dadurch eine andere Schlaufe etwas absenkt. Aber Achtung nicht zu stark ziehen, sonst ist deine Schlaufe rausgerutscht. Bereinige nun deine Linien und Umrisse. Das nennt man "Poking". Bei Schlagen mit der Nadel kann es passieren, dass sich zwei Schlaufen in die Quere kommen und durcheinander stehen. Poking bedeutet, du sortierst deine Schlaufen, indem du z.B. mit einer geschlossenen Schere, oder einer Stanz- oder Stricknadel die Schlaufen an die richtige Stelle manövrierst und Farbkanten deutlich scheitelst. Streiche nochmal mit dem Schaft deiner Nadel über alle Schlaufen, um auch die letzten Überstände zu sehen und zu bereinigen. Dies alles kann einige Zeit in Anspruch nehmen, ist aber wirklich der Mühe wert. Ein gut gemachtes Projekt sollte auf beiden Seiten schön sein.

 
 

Kreativ und individuell mit der richtigen Punch Needle Technik

Ich hoffe, mein kleiner Leitfaden und die Antworten auf die häufigsten Fragen helfen Dir bei der Umsetzung Deiner Projekte. Du hast noch Fragen? melde dich gerne unter hallo@tutula.de.

Wenn Du bislang noch keine Berührung mit der Punch Needle hattest und durch meinen Beitrag vielleicht inspiriert wurdest, dann hol Dir die Stepp by Stepp Anleitung mit Punch Needle, Vorlagen, Rahmen, Basisstoff und Wollpaket, oder besuche einen meiner Punch Needle Technik Kurse im tuTULA Haus für Kunst und Handwerk.

 

Liebe Grüße und bis bald im tuTULA Haus

Michaela




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